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Kaffeehäuser in Salzburg
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Das Kaffeehaus - Wohnzimmer der Künstler
Café Tomaselli: Salzburg, Alter Markt Ältestes Kaffeehaus der Stadt und ältestes noch bestehendes Kaffeehaus Österreichs, seit 1852 im Besitz der Familie Tomaselli.Bereits im  Jahre 1703 erhielten der Italiener Caribuni und der Savoyarde Jean Fontaine vom Salzburger Fürsterzbischof Johann Ernst Graf von Thun die Kaffeesiederbefugnis, die die Erlaubnis einschließt, "Cioccolate, Coffé, Rosolio, Thee, Aquavit und andere Wasser-Brennerey- Sachen auszuschenken", und zwar im Hause Goldgasse 5, an einer der allerengsten Stellen der alten Gassen, wo die Hauswände kaum 2 1/2 Meter voneinander entfernt waren.1729, kurz vor dem Tode Fontaines, erhielt seine Tochter die Befugnis zur Fortführung des Kaffeehauses, doch verkaufte sie es wegen schlechten Geschäftsganges bald an den hochfürstlichen Kammerheizer Hruby, dessen späterer Nachfolger der Kaffeesieder Anton Staiger, ein Zeitgenosse Mozarts, war.

An seinem heutigen Platz, dem Alten Markt, steht das "Café Staiger", wie es damals noch hieß, seit 1760. Es galt als das "Nobel-Café" der Stadt, in dem alle verkehrten, die in der Erzbischofsstadt Rang und Namen hatte.1781 taucht zum erstenmal ein gewisser  Giuseppe Tomaselli auf, ein junger Hoftenorist aus Mailand, der mit einem Monatsgehalt von 30 Gulden am fürsterzbischöflichen Hof engagiert war. Der junge Mann mit "der biegsamen Stimme und rührenden Manieren", blieb bis 1807 in Salzburg, wurde später Hofkapelltenorist in Wien und verstarb 1836; sein Grab befindet sich auf dem Salzburger Petersfriedhof. Er ist der Urahn der heutigen Familie Tomaselli, in deren Besitz sich das Kaffeehaus nach wie vor befindet.In den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts beherbergte das  Tomaselli-Haus als Wohnpartei ein in aller  Welt bekanntes Ehepaar: Mozarts Witwe Konstanze und ihren zweiten Gatten, den königlich-dänischen Etatsrat Georg Nikolaus von Nissen, der hier seine berühmte Mozart-Biographie schrieb. Nissen starb 1826 im Tomasellihaus und fand seine letzte Ruhestätte zusammen mit seiner Gattin Constanze auf dem Sebastiansfriedhof in der Linzer Gasse.

1859/60 wurde das Café Tomaselli um den Kiosk erweitert, der auch heute noch inmitten Schatten spendender Bäume besteht. Das Café wurde damals von Karl Tomaselli geführt; der heutige Besitzer hat den Betrieb von seiner Mutter Olga übernommen. Gleich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs quartierte sich die US-Besatzungsmacht im Tomaselli  ein und funktionierte das altehrwürdige Kaffeehaus in eine "Doughnut-Snackbar" um.  Aber schon 1950 waren alle Wirren glücklich überstanden und das Kaffeesieder-Regiment stand wieder unter österreichischer Flagge! Berühmte Besucher im Café Tomaselli waren: Familie Mozart, Michael Haydn, Carl Maria von Weber, Hugo von Hofmannsthal, Max Reinhardt, Hermann Bahr, Richard Strauß, Franz Schalk u.a.

Café Bazar Salzburg, Schwarzstrasse, an der Staatsbrücke Alfred Polgar: "Die Festspiele sind eigentlich der Umweg zum Ziel: Bazar!"Das Café Bazar besteht seit dem Jahre 1909 und wird geführt von Vera Tomaselli. Während das Café Tomaselli stets mehr von Musikern bevorzugt wurde, war und ist das Café Bazar ein Treffpunkt der Schauspieler, schon bedingt durch die Nähe von Landestheater, Kammerspielen und Marionettentheater. Besonders während der  Festspielzeit pflegen sich im Café und auf der schattigen Terrasse an der Salzach mit herrlichem Blick auf die Altstadt Schauspieler nach den Proben zu treffen. Das Gästebuch ist voll mit prominenten Namen; so verewigte  sich z.B. der Komponist Robert Stolz hier mit dem Anfang seines Weltschlagers "Im Prater blühn wieder die Bäume...". Im ersten Stock des Bazar befindet sich der Salzburger  Bridge-Club.

Café Fürst Salzburg, Brodgasse 13 Erfinder der "Salzburger Mozartkugeln "Schon im Jahre 1890 erfand der Salzburger Konditor Paul Fürst die "Salzburger Mozartkugel". 1905 erhielt er bei der Pariser Weltausstellung eine Goldmedaille für sein süßes Produkt. Der jetzige Inhaber der Konditorei, der Urenkel des Erfinders, Norbert Fürst, erzeugt noch heute nach überliefertem Rezept und Herstellungsverfahren diese inzwischen weltberühmt gewordene Spezialität, die  "Original Salzburger Mozartkugeln". Im Hause Brodgasse 13  wurde auch ein kleines Museum eingerichtet, das die Geschichte der süßen Weltspezialität anschaulich illustriert.

Anbei noch ein Zeitungsartikel anläßlich des 75. Geburtstages des Cafes Bazar. (Salzburger Nachrichten, vom 15./16.9.84) "Wie andere in den Park oder in den Wald, lief ich immer ins Kaffeehaus, um mich abzulenken und zu beruhigen, mein ganzes Leben" (Thomas Bernhard in seinem, nicht wegen dieser Passage beschlagnahmten Buch "Holzfällen", p. 26). Ein Kaffeehaus, in dem er während seiner Schauspielstudien am Mozarteum oder während seienr Reportertätigkeit in Salzburg häufig saß und das er meines Wissens (man muß da vorsichtig sein) noch nicht in einem seiner Schriften heruntergerissen hat, feiert heuter am 23. September seinen 75. Geburtstag: das "Bazar". 

Daß man dort als Salzburger sein zweites Wohnzimmer haben konnte und noch immer haben kann, bestätigt eine Eintragung des Schauspieler Rudolf Karl aus 1948 in das Gästebuch. Karl erinnerte sich an seine Schauspielzeit am Salzburger Landestheater und an das Bazar: "vor 10 Jahren lebt ich hier buchstäblich von 6h früh, alle Zeitungen überflogen - keine Konsumation. Dann gelernt! (9h - 1h Probe), dann wieder Bazar - keine Konsumation (von 2-6h Probe), dann wieder Bazar, keine Konsumation 1/28 - 10.15 Vorstellung). Dann Jaaa Konsumation (1 schwarzes Bier) u. trotz allem die schönste Zeit meines Lebens - die liebsten, besten Gastgeber, eben Tomaselli - Otto. Dank für alles sagt Ihnen 10 Jahre später Ihr Rudolf Karl, Salzburg 1938. Von dem Wiener Schriftsteller Anton Kuh stammt aus 1928 die Eintragung: "Die Festspiele sind der Umweg, das Bazar ist der Zweck." Es ist dies jener Kuh, den Friedrich Torberg - ein eifriger Gast des Bazars" - in der "Tante Jolesch" mit dem Apercu über die Emigration in die USA verewigte: "Schnorrer kann man überall brauchen!" Über einen Zwischenaufenthalt in Paris pflegt Kuh zu sagen, "Früher war ich der Kuh aus Wien, jetzt bin ich der Kuh de Paris!" Wobei man wissen muß , daß der  Cul de Paris jene Modeschöpfung des fin de siècle war, die sich mit dem Hinterteil der Damen befaßte.

Genug der Kaffehauswitze. Die hat Torberg alle erzählt und Manes Sperber, der in den letzten sommern während seiner Salzburg Aufenthalte im Bazar SN-Redakteure zu Interviews zu treffen pflegte, hat sie alle gekannt . Auch den: Ein zufällig hereingeschneiter Gast will im Café "rasch eine Kleingkeit". Alles, was der Ober anbietet, ist ihm zuviel. Da sagt der berühmte Doktor Sperber, Stammtgast am Nebentisch: "Franz" Fangen Sie dem Herrn eine Fliege, damit endlich Ruh' ist!""Ein Kaffeehaus steht und fällt mit dem Personal", sagt uns Vera Jetzelsberger-Tomaselli, deren Familie ununterbrochen seit 75 Jahren das Bazar betreibt. "Der Kaffeehausober ist im Aussterben."So weit sind wir glücklicherweise im Salzburger "Bazar" nicht, aber Ober Franz, eine wegen ihres herben Charmes stadtbekannte Erscheinung, tritt mit 15. September dieses Jahres im 60. Lebensjahr in den Ruhestand. Das "Bazar" konnte rechtzeitig einen Nachfolger gewinnen, aber leicht war's bestimmt nicht, denn das Kaffeehausgeschäft ist ein Groschengeschäft. die meisten Konsumationen bewegen sich zwischen 25 und 50 Schilling. Also seien Sie freundlich zum Ober.

Herr Franz aus dem "Bazar" mit bürgerlichem Namen als Franz Mochart aus Südtirol in das Melderegister eingetragen, früher Chefkellner eines renommierten Hotels am Arlberg, verrät vor seiner Pensionierung das Geheimnis eines guten Kaffeehausobers: "Er muaß an Schäh haben."Wie der ausschaut? "Alos, schreit ein Gast immer, Herr Ober, ich wart schon eine halbe Stund auf meine Bestellung. Ich hab die Händ' voller Geschirr, stell das ab, schau auf die Uhr und sag: "Was so spät is schon?!"für das "Bazar wäre es einmal, im Dezember 1909, fast schon zu spät gewesen. In der damaligen Salzburger Chronik erschien eine Parte mit der Mitteilung, die Institution sei "wegen absoluter Teilnahmslosigkeit des verflixten Publikums" bis auf weiteres gesperrt. Die Familie Tomaselli sprang ein und erhielt das Haus am Leben. Frau Vera Jetzelsberger-Tomaselli, auf häufige Verkaufsgerüchte in den letzten Jahren angesprochen, tat diese scherzhaft ab. Sie höre immer wieder von Angeboten über 60 Mill. S für das Haus, aber nie von einem, der das zahlen wolle.

Abgesehen von 1909, als das Bazar für Salzburg gerettet wurde, gab es in der 75jährigen Geschichte des Hauses zwischen Salzach und Schwarzstraße einige Krisen. Die letzte 1959, ehe die jetzie Chefin Vera das Haus übernahm. Sie wollte ursprünglich, wie das bei Mädchen öfter der Fall ist, Schauspielerin werden und studiert in Wien bei der Christl Mardein und der Balser-Eberle. Geld verdiente sie durch Arbeit in Hotels. Im Sommer 1959 wollte der Vater, daß sie endlich in den Ferien auch im Bazar arbeite, um Gäste und Personal kennenzulernen. Es wurde ein Schicksalssommer. Als die 21jährige Vera im September mit dem verdienten Geld aus dem "Bazar" nach Venedig reiste, erhielt sie dort das Telegramm, der Vater sei gestorben. Das "Bazar" gehörte ihr. Sie meint heute, sie hätte es mit der Übernahme des Geschäftes nicht leicht gehabt, aber das Personal hätte ihr sehr geholfen. Auch die Stammgäste, denn so einfach sei das auch für die Besucher nicht gewesen. Denn im "Bazar" war es früher üblich, daß der Großvater, der Vater und der Direktor in Stundenabständen die Gäste begrüßten. "Und plötzlich kommt da ein Dirndl mit 21 Jahren."

Inzwischen ist das Dirndl zu einem Salzburger Begriff geworden wie ihr ererbtes und erworbenes Kaffeehaus. sie hat den Schanigarten zu einem Wintergarten ausgebaut und die Terasse zur Salzach geben Bestrebungen verteidigt, daraus einen Radfahrweg zu machen oder um 22 Uhr Sperrstunden zu verhängen. (Obwohl das Bazr für viele Salzburger um 23 Uhr ohnehin zu früh sperrt, aber die Kalkulation meint: "Länger als bis elf ist kein Bedarf.") Woran Bedarf besteht? Ihr Chronist muß sagen, daß er das nicht weiß. Er bestellt im Bazar täglich das Gleiche (einen großen Esso braun), weiß aber, daß es so etwas wie eine Karte mit vielen Kaffeesorten und Getränken gibt.

In der Chronik des hauses steht vermerkt, daß Toscanini stets einen kleinen Braunen zu trinken, aber nicht zu bezahlen pflegte (dafür umarmte er den Ober). Stefan Zweig rauchte täglich um 15 Uhr im Bazar eine Virginia, und der König von England, der spätere Herzog von Windsor bestellte eine "Teeschale" (das soll auch ein Kaffee sein). Den Sessel, den der Herzog von Windsor im "Bazar" eingenommen hatte, konnte der frühere Ober Fritz jahrelang gegen hohes Trinkgeld an Touristen vermieten. Auf den "alten Ober vom Kaffee Bazar" komponierte Hans Lang seinerzeit ein Lied nach Texten von Peter Herz (erschienen 1937 bei Doblinger). Heute, zum 75. Geburtstag, gibt es glücklicherweise genügend Gäste. Aber an welchem Tisch sitzt ein Komponist der noch ein Volkslied schreiben kann? Kennen Sie den Ausspruch des jüngst verstorbenen Burgtheaterdirektor und "Jedermann"-Regisseurs Ernst Haeussermann, als er einmal mit einem Freund all die Gäste der letzten 75 Jahre Revue passieren ließ: König Edward VIII., Marlene Dietrich, Toscanini, Max Reinhardt, Louis Armstrong. "Und wer sitzt heute da? Du und ich, und nicht einmal mehr der Torberg."Mögen wir lange dort sitzen können.

St. Peter. "Zu den ältesten wirtschaftlichen Aktivitäten St. Peters im Bereich der Altstadt zählen neben der Landwirtschaft, den Mühlen und der Bäckerei vor allemder Peterskeller, der bereits um 700 von Alkuin in einem Preislied erwähnt wird. Trotz deiser großen Tradition war der Peterskeller den städtischen Wirten häufig ein Dorn im Auge. Im Jahre 1617 beklagte sich das Gastgewerbe von Salzburg, daß man in St. Peter angeblich ohne Schankgerechtigkeit ausschenke. Im Jahre 1702 kam es deshalb zueiner erneuten Auseinandersetzung. Als 1829 die Konsumationssteuer für den Wein überraschend erhöht wurde, mußte der Peterskeller 750 Gulden an Steuer entrichten. Abt Albert Nagnzaun scheute sich, die Kosten auf den Preis umzulegen "um das Gewerbe nicht noch mehr zu schädigen". Eine Episode bleib auch der Sturm auf den Peterskeller am 19. September 1918, wobei das Inventar verwüstet und einiges Glas zerschlagen wurde. (Quelle: St. Peter in Salzburg. Schätze europäischer Kunst und Kultur. 3. Landesausstellung 15. Mai - 26. Oktober 1982. Salzburger Landesregierung)

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